Ein Theater von Anna Franziska Jäger und Nathan Ooms
An einem regnerischen Dienstagabend trafen wir uns am Bahnhof und fuhren gemeinsam zum Theater Neumarkt. Diesen Abend stand das Ambient Theatre Fury auf dem Programm, welches im Rahmen von Zürich liest stattfand. Dort wurden wir am Eingang von einer freundlichen jungen Frau begrüsst, die uns die Ticketpreise erklärte. Wir nahmen unsere vorbestellten Tickets entgegen, zahlten und liefen die Treppe hoch. Im Vorraum des Theaters warteten eine Bar und stimmungsvolle Musik auf uns.

Nach etwa 20 Minuten wurden die Türen geöffnet und alle betraten den Theaterraum. Gespannt suchten wir uns einen guten Platz in der zweiten Reihe, bereit, uns überraschen zu lassen. Der Theatersaal war ziemlich klein und auf der Bühne hing eine grosse Neonröhre in Form eines Smileys und ein drehbares Metallgestell, an dem kleinere, nicht erkennbare Gegenstände hingen. Es war dunkel und still. Alle warteten auf den Beginn der Aufführung.
Echo der Sehnsucht: Zwei Menschen auf der Suche nach Verbindung
Die Handlung des Stückes drehte sich um zwei Menschen und ihren verzweifelten Wunsch nach einer Begegnung. In einem ständigen Versuch eine Verbindung herzustellen, schien das «Du» in einem endlosen Echo des «Ich» gefangen zu sein. Hinter all den klugen Worten verbarg sich eine tiefe Unsicherheit. Es wurde deutlich, wie schwierig es ist, die eigene Ich-Kammer zu verlassen und eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen.
Der Bruch der Stille
Die ersten 5-10 Minuten der Aufführung verstrichen schweigend, während die beiden Schauspieler sich auf der Bühne aneinander vorbeirollten. Dann fingen die Frau und der Mann an, sich gegenseitig Fragen zu stellen, aber die Antworten schienen aneinander vorbeizugehen. Plötzlich ertönte laute Technomusik, was für uns als Publikum äusserst überraschend und erschreckend war. Der junge Mann setzte eine auffällige, verspiegelte Sonnenbrille auf und begann eine E-Zigarette zu rauchen. Als die Musik aufhörte, hörte er auf zu rauchen und die beiden setzten ihr Gespräch fort, als wäre nichts gewesen.
Liebe, Wut und Wiederholung: Ein unvergessliches Theatererlebnis
Am Ende des Stücks standen sie auf, schrien sich an und fragten sich, ob sie einander liebten. Dann wiederholten sie alle Szenen, Wort für Wort, einschliesslich der Verabschiedung vom Publikum, etwa fünfmal in genau derselben Art und Weise. Das Publikum wusste nicht, wann es mit dem Applaus aufhören sollte und ob die Schauspieler noch einmal auf die Bühne kommen würden. Das Stück hat uns wirklich überrascht und zum Nachdenken angeregt. Es war anders, als wir es erwartet hatten und bot eine einzigartige Form des Theaterspielens. Auch nach dem Theater haben wir uns ausgiebig darüber ausgetauscht und spekuliert, welche Bedeutung hinter dem Stück stecken könnte. Wir würden definitiv nochmals ein solches Theaterstück besuchen.

Kommentar verfassen