Die Erfindung des Ungehorsams: Künstliche Intelligenz und Feminismus

Im Roman die Erfindung des Ungehorsams erzählt die Autorin Martina Clavadetscher die Geschichten von drei verschiedenen Frauen an drei unterschiedlichen Orten die trotzdem verbunden sind. Iris, Adas und Lings Geschichte werden in eine Art Kapitel unterteilt. Der ganze Roman hat eine an Lyrik erinnernde Formatierung. Der Schreibstil im Allgemeinen grenzt an das Dichtende.

Das Buch beginnt mit der Überschrift I, Zeichen dafür dass Iris die Hauptperson in diesem Abschnitt wird. Es wird von ihrem Leben erzählt und ihren Abenden. Wie sie ihren Zuhörern Wollstone und Godwin eine Geschichte erzählt, die sie ihnen bis zum Kern erzählen möchte. Ihre Geschichte handelt von einer Ada, wer das ist wird zu Beginn noch nicht geklärt. Jeder Abend hat den gleichen Ablauf. Fortgesetzt wird das Buch mit der Überschrift L denn in diesem Abschnitt geht es um Ling. Eine Frau die in einer Sexpuppen-Fabrik arbeitet und viel Wert auf den gleichen Alltag legt. Zu Beginn wird Lings üblicher Alltag beschrieben und darauf folgend wie er durch äussere Einflüsse sich langsam verändert wird. Adas Geschichte wird etwa in der Mitte des Buches genauer behandelt. Bei Ada, handelt es sich um Ada Lovelace, eine echte Frau die im 19.Jahrhundert in England lebte. Sie war die Tochter des Dichters Lord Byron und schrieb das erste Computerprogramm der Welt.

Dystopie?

Im ganzen Buch wird Frankenstein von Mary Shelley immer wieder erwähnt. Schon bevor das Buch richtig beginnt wird Mary Shelley zitiert: „I have found it! What terrified me will terrify others.“ Ein für den Roman sehr passendes Zitat, denn im Grossen handelt die Geschichte nicht nur von drei unterschiedlichen Frauen sondern auch von Robotern die über ihre menschlichen Schöpfer hinaus wachsen. Ein Konzept das in Dystopien weit verbreitet ist, und doch bringt Martina Clavadetscher einen neuen Winkel in das Genre, einen Feministischen. Die Roboter in ihrem Roman wurden als Sexpuppen erfunden welche durch Künstliche Intelligenz immer menschenähnlicher wurden. Und durch diese war es den Puppen mit der Zeit möglich über das, was die Erfindung erreichen wollte hinaus zu wachsen und Eigenständig zu werden.

Während der Roman die drei Frauen als Hauptperson hat und auch sonst die Frauen ins Zentrum stellt gibt es zwei Männer die eine Nebenrolle spielen. Sie selbst machen nicht viel, doch sie zeigen zwei sehr unterschiedliche Reaktionen zu der sich anbahnenden Selbstständigkeit der Roboter. Wachmann Jon unterstützt Ling in ihrem Einbruch und macht auch sonst alles um ein Teil ihres Lebens zu werden, so unterstützt er die Revolution. Hingegen ist Eric, Iris Besitzer, verängstigt. Er versucht alles um Iris unter Kontrolle zu halten, er unterbricht ihre Geschichten und sperrt sie ein. Doch ob das reicht?

Der ganze Roman ist eine Verschachtelte Angelegenheit die zu Beginn ein wenig überfordernd sein kann. Es braucht Konzentration, um eine Chance zu haben den Roman zu verstehen und die versteckten Punkte zu erwischen. Dies wurde besonders klar als ich den Beginn noch einmal las nachdem ich das Buch schon beendet hatte. Denn beim zweiten Lesen fielen mir Themen und Hinweise auf die ich beim ersten Mal überlesen hatte. Die Themen im Buch regten mich zum Denken und zur Recherche an. Denn die Geschichte von Ada Lovelace faszinierte mich und ich wusste vor dem Roman noch nichts von ihr. Im Ganzen gefiel mir der Roman sehr gut, er packte mich gleich zu Beginn und hielt mich bis ans Ende gefesselt. Der etwas ungewöhnliche Schreibstil und auch die Aufteilung des Romans in diese Unterschiedlichen Abschnitte, die auf nicht direkt ersichtliche Weise verbunden sind, lieferten eine einzigartige Leseerfahrung. Es war auch interessant den Beginn des Romans noch einmal zu lesen nachdem ich das Buch beendet hatte da ich die ganze Geschichte auf eine andere Art wahr genommen habe.

Martina Clavadetscher: Die Erfindung des Ungehorsams, Roman, Unionsverlag, Zürich, 2021, 288 Seiten, ca. 26 Franken

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