Superyachten liegen schon seit Jahren in bestimmten Häfen und Regionen verteilt auf der ganzen Welt. Bis vor einiger Zeit ganz ruhig und bewundert. Aufgrund von Sanktionen gegen das kriegsführende Russland wurden einige wie die „Dilbar“ eines russischen Oligarchen beschlagnahmt und die grossen Superyachten gerieten seither immer mehr in die Kritik. „Eine Handvoll Superreicher amüsiert sich auf dem Meer – na und?“, fragt sich Grégory Salle in seinem neuen Buch über Superyachten. Er beantwortet die Frage auch gleich selbst: „Na und: alles.“
Für den französischen Soziologen kondensieren sich in Yachten alle wesentlichen Merkmale dessen, was unsere Epoche ausmacht: die rasante Zunahme wirtschaftlicher Ungleichheit, die Beschleunigung der ökologischen Katastrophe und der Fortbestand juristischer Ungerechtigkeit. Momentan erleben wir den grössten Boom der Superyachten, trotz der steigenden Kritik. Im Jahre 2021 verdoppelte sich der Verkauf an Neubauten im Vergleich zum Vorherigen. Dabei handelt es sich um Super-(über 30 Meter Länge), Mega-(über 50 Meter Länge) und vor allem Gigayachten(über 80 Meter Länge). Diese sind nicht gerade unauffällig und dazu auch sehr kostspielig. Einmal Volltanken kostet gerne 1.5 Millionen Dollar und dazu kommt ein CO2-Ausstoss so gross wie 1400 Durchschnittsmenschen. Doch immer mehr Menschen leisten sich diese Ausgaben, darunter befinden Personen wie Amazon Gründer Jeff Bezos oder die Harry-Potter Autorin J. K. Rowling.
Um dem Boom entgegenzuwirken, wurde in Frankreich erstmals eine Abgabe eingeführt für Superyachten und grösser. Dies sollte den zuvor beschlossenen Übergang zu einem Steuerersystem abfedern, in dem sie als mobile Vermögenswerte weitgehend missachtet wurden. Dass das Ganze ein Flop war, zeigte dem Soziologen einmal mehr die steuerlichen Begünstigungen der Superreichen.
Die Superreichen besitzen weitgehend ihre eigene, abgeschottete Welt, die weder von Wirtschaftsentwicklungen in Leidenschaft gezogen werden noch angemessene Steuerlast tragen. Das überzeugt viele schon, denn sie sind ausserdem geeignet, um sich aus dem Staub zu machen. Sie besitzen starke Motoren und oft auch noch kleine Hubschrauber und Motorboote, die sie sehr mobil machen. Fernab von der Polizei in irgendwelchen Gewässern, in denen sie zu dem auf die Namen verschachtelter Firmenkonstruktionen ein Steuerparadies geniessen. Dazu kommt, dass die Crew auf der Yacht durch maltesische Arbeitsverträge und wasserdichte Stillhalteabkommen weitgehend rechtlos gemacht werden.
Aber ausser Neid und Ungerechtigkeit gibt es noch einen dritten Grund sich zu empören. Gemeint ist die Zerstörung der Natur. Wie bereits erwähnt, stösst eine Superyacht so viel CO2 aus wie 1400 Normalverbraucher. Dazu kommen verwüstete Atolle und Korallenriffe. Doch Salle geht auf eine ganz konkrete Pflanzenart ein, die nach und nach ausgerottet wird. Die Rede ist vom Seegras mit dem Namen Neptungras. Es produziert pro Quadratmeter mehr Sauerstoff als ein Quadratmeter des Amazonas. Doch durch illegales Ankern, wird das Seegras zerstört und es wird vermutet, dass es 2050 ausgerottet sein wird.
Salle gibt seine Meinung zum Thema Superyachten ziemlich klar preis. Er plädiert mit seinem Essay für eine Veränderung und will die Leser auf die bestehenden Gefahren aufmerksam machen. Viele Beispiele verhelfen, den Text abwechslungsreich zu halten. Ich realisierte, dasss hinter Superyachten mehr steckt als nur ein Boot auf dem Wasser. Zuvor bewunderte ich die Yachten nur und stellte mir vor, selbst eine zu besitzen. Doch Salle hat mich zum denken angeregt und mir die andere Seite gezeigt. Ich kann es nicht nur Yachtliebhaber, sondern allen Leser empfehlen, das Buch zu lesen, um über das eher verschwiegene Thema aufgeklärt zu werden.
Grégory Salle, Superyachten Luxus und Stille im Kapitalozän, Suhrkamp Verlag, erste deutsche Ausgabe, 2022, 170 Seiten, CHF: 19.90

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