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Von Enten, Flamingos und Leichen

Anaïs Meier erschuf mit ihrem neu erschienenen Roman eine skurille Figur, die das ganze Buch prägt. Gerhard, sein Name, lebt in einer kleinen Stadt als Aussenseiter und meidet den Kontakt mit den Menschen, soweit es geht. Im kleinen Park am See macht er jeden Morgen seinen Flamingo um das Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch beizubehalten. Als eines Tages ein abgetrennter Fuss im See auftaucht, benennt er sich selbst zu einem Kommissar und entscheidet sich den Park retten. Dabei gerät er jedoch in den Kontakt mit der Aussenwelt. Unter anderem trifft er bekiffte Jugendliche, betrunkene Angler, in der Nacht spazierende Hündeler aber auch die Parkwächterin. 

Was klingt wie ein Krimi, entpuppt sich als schon fast märchenhaften Roman. Das Lösen des Falles gerät in den Hintergrund und ins Zentrum gerät die Geschichte von Gerhard. Als einer von vielen aus der untersten Schicht der Gesellschaft erzählt er, wie er die Welt wahrnimmt und behandelt wird. Seine Ups und Downs während der ganzen Geschichte kommen gut zur Geltung und seine Ansicht wird klar gemacht. Von Reisen nach Amerika aus seiner Jugend über Kindheitserfolge bis zu seinem Beziehungsleben erzählt er alles und nimmt uns dabei mit. Durch die sehr spezielle Erzählsprache, die Anais Meier, von online-Kommentaren inspiriert, durch das ganze Buch durchzieht, erleichtert es, sich in Gerhard hinein versetzen zu können. Daneben ist Vieles sehr bildlich geschrieben, sodass der Leser die Möglichkeit hat, voll und ganz in diese Welt einzutauchen. In die Welt, in der sich ein Arbeitsloser zum Kommissär ernennt und nach eigenen Wertvorstellungen ermittelt. In die Welt, in der Enten sprechen können. In die Welt, in der Polizisten lieber Alkoholabhängige festnehmen, als sich mit einem richtigen Fall zu beschäftigen. Trotz den vielen Wendungen und kleinen Überraschungen im Verlaufe des Buches, lässt es sich einfach lesen, sobald man sich an die Sprache gewöhnt hat und in einen Flow kommt. Doch auch wenn das Buch in einfacher Sprache geschrieben ist, steckt mehr dahinter. Und zum Schluss des Buches wird man wieder zurück in die normale Welt gerissen und möchte am liebsten noch in Gerhards Welt verweilen.  

So erlebte zumindest ich dieses Leseerlebnis, das so ganz anders war als andere Bücher, die ich kenne. Normalerweise bin ich nicht der Roman-Typ bin, muss aber sagen, dass mich das Buch in vieler Hinsicht überzeugt hat. Anfangs fiel es mir schwer überhaupt anzufangen, da ich Vorurteile hatte, doch schon nach einigen Seiten packte es mich. Vor allem auch im Nachhinein als ich mir mehr Gedanken über das Buch gemacht habe und realisierte, dass es die Gesellschaft kritisiert und mehr dahinter steckt, machte es interessant. 

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Comments (

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  1. Hans Wäsle

    Mich hat das Buch ebenfalls gepackt und die kreative Verwendung der Sprache fand ich wirklich einmalig und hat mich mehr als einmal zum schmunzeln inspiriert. Auch die unerwartete Tiefgründigkeit hat mir sehr gut gefallen.
    Leider, und das ist meine Meinung, ist es Anaïs Meier nicht gelungen, die Kreativität der Geschichte bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Ohne des Schluss hätte mir das Buch noch viel besser gefallen.
    Dennoch, auch von mir gibt es eine Empfehlung.

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