Vor dem Volkshaus tummeln sich die Leute und betreten die Buchhandlung. Die Hörer*innenschaft begibt sich in das Untergeschoss und nimmt auf den schwarzen Stühlen Platz. Gespannt blicken alle auf Nora Osagiobare, die eine Dose Red Bull vor sich stehen hat. 20 Uhr – so spät noch ein Red Bull?

Buchhandlung Volkshaus, Zürich, Foto: Privat
Nun sind alle Stühle besetzt, und die zwei Moderatorinnen begrüssen die Hörer*innen und stellten die Autorin vor. Bereits zu Beginn erfahren wir etwas über die Entstehung des Titels. Die sogenannten Seifenopern „Daily Soaps“ schaute Nora Osagiobare früher immer mit ihrer Mutter und tut dies auch heute noch. Ansonsten hat sie keine weiteren Hobbys. Somit wurden wir bereits zu Beginn von ihrer authentischen und humorvollen Art überzeugt.
Ironie als Waffe gegen Rassismus
In ihrem Werk «Daily Soap» geht es um Alltagsrassismus in der Schweiz, ein Thema, das eigentlich viel zu traurig ist, um darüber zu lachen. Und genau deshalb tut sie es. Osagiobare begegnet dem Ernst des Lebens mit Humor und Satire nicht, um das Thema klein zureden, sondern um es sichtbar zu machen. Sie selbst erlebt in ihrem Alltag Rassismus und verarbeitet ihn häufig mit Humor. Dies begründet sie damit, dass sie so am meisten Leute erreichen kann und Alltagsrassismus dorthin bringt, wo er hingehört: in die Öffentlichkeit.
Tschhhhhhh
Die Lesung ist sehr klassisch gehalten und wird von zwei Moderatorinnen geleitet. Welche abwechslungsweise Fragen und Thesen an Nora Osagiobare stellen. Leider wird auf die Antworten nicht gross eingegangen, was den Redefluss unterbricht und wie ein Vortrag wirkt. Dadurch ist es teilweise trocken. Die Fragen die das Publikum stellt, sind jedoch interessant und gut vorbereitet. Zwischendurch werden längere Passagen aus dem Buch vorgelesen. „Tschhhhhhgggg“ – plötzlich wird die Red Bull Dose zischend geöffnet, passend zur Stelle im Buch, aus der vorgelesen wird. Somit wird der Lesung Leben eingehaucht und die gesamte Aufmerksamkeit ist erneut auf der Textstelle. Am Schluss stellen die Hörer*innen weitere Fragen. Eine Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Ein Charakter fehlt im Personenverzeichnis zu Beginn des Buches. Diese Frage kann nur durch aufmerksames Lesen des Buches geklärt werden, was das Lesen besonders attraktiv macht und die Neugier auf das Buch nach dieser Lesung weckt.

Daily Soap von Nora Osagiobare, Foto: Kein& Aber
https://www.keinundaber.ch/buecher/daily-soap?variant=11209771

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