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Nasse Altstadt – glühende Intrigen

Ein verregneter Oktobermorgen in Zürich wird zur spannenden Spurensuche. In den verwinkelten Gassen der Stadt Zürich erwacht Gabriela Kasperskis Krimi „Zürcher Glut“ zum Leben.

„Das Gewimmel in der Fortunagasse hatte sich beruhigt. Die Ambulanz war weggefahren, die Polizisten machten sich auf den Heimweg. Der St. Peter schlug drei Uhr. Seine Stunde. (…) Asche und Schnee. Bald würde es schneien. Er schmunzelte. Eisiges Feuer. Wie es leuchten würde.“

Ein grauer Schleier liegt über der Zürcher Altstadt an diesem regnerischen Oktobermorgen. Wir begeben uns auf Tatortsuche auf dem Lindenhof, inmitten der Zürcher Altstadt. Sonst ein Ort der Ruhe über den Dächern – heute der Schauplatz eines Krimis. Mit Regenschirm bewaffnet treffen wir uns mit der Autorin Gabriela Kasperski und weiteren Besuchern des „ZürichLiest “ – die meisten deutlich älter als wir – auf dem Lindenhof.

Auf einer Bank stehend, liest sie uns die ersten Zeilen ihres Romans „Zürcher Glut“ vor. Das regnerische Wetter passt perfekt zur Stimmung, die ihre Worte verbreitet. Die Geschichte spielt um, auf und unter dem Lindenhof. Danach geht es auf die Suche. Abgetaucht in den Seitengassen finden wir die Spielorte. Zwischen alten Mauern entdecken wir in der Kaminfegergasse, abgehend vom Hof, das versteckte kleine Häuschen des Kaminfegers, einer wichtigen Romanfigur. Auch den Brandort machen wir von aussen aus. Da der Grundriss der Altstadt sehr dem im Roman ähnelt, kann man jeden Moment meinen, dass die Romanfiguren hinter einer Ecke auftauchen würden. Durch die verwinkelten kleinen Gassen der Zürcher Altstadt geht es zur Villa Tobler, auf der anderen Seite der Limmat. Dort bestauenen wir den schön angelegten Garten. Der Regen lässt den Garten noch geheimnisvoller und melancholischer erscheinen. Um nicht völlig durchnässt zu werden, versammeln wir uns rasch wieder unter einigen Bäumen, die uns schützen. Ausgehend von einer kurzen Lesung kann man sich das Showdown in der Villa Tobler genau vorstellen. In diesem Moment kann man meinen, dass Fiktion und Realität miteinander verschwimmen. Man könnte glauben die Figuren des Krimis würden gleich zwischen den Blättern hervorkommen. Schweigend, nass vom Regen und verstrickt in die dunklen Intrigen ihrer Geschichte.

„In den wenigen Tagen seither hatte er Vorbereitungen getroffen, den Anlass studiert, das Botschafterpaar und schliesslich die Villa Tobler, als unauffälliger Passant im winterlichen Garten, öffentlich für alle zugänglich. Erst als das Sicherheitspersonal am frühen Nachmittag angerückt war, hatte er sich verzogen. Aber bis dahin hatte er genug erfahren. Sein Plan stand. Feuerfest. „

Das Interessanteste ist aber, wenn Gabriela Kasperski von ihren Recherchen erzählt. Dank Corona konnte sie ans WEF und sich somit einen Einblick in die verborgene Welt der Diplomatie verschaffen. Somit war es für sie einfach, die politischen und wirtschaftlichen Themen in ihrem Roman klar und einfach zu erklären.

Es ist kein gewöhnlicher Spaziergang durch Zürich, sondern eine Reise durch Worte, Orte und ihren Geschichten, die uns die Stadt mit neuen Augen sehen lässt.

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