Mini Horror

Und wieder ist ein Jahr vorbei. Wir stehen kurz vor den Maturprüfungen und wenden uns bald neuen Projekten zu. Wir verabschieden uns gemeinsam von unseren Leser:innen mit unseren Eindrücken zu Barbi Markovićs „Mini- Horror“.

Barbi Marković:
Mini Horror
Residenz-Verlag, 2023

Celina, Lena, Lisa

«Miki, was für eine schöne Überraschung! Ich war mir sicher, dass du tot bist!» Mein Kommentar in krakeliger rosa Schrift dazu: «etwas makaber». Makaber beschreibt das Buch mit dem Titel «Mini Horror» von Barbi Marković ziemlich gut. Es handelt von Miki, der einen alten Schulfreund trifft. Das erste, was er hört, ist das obige Zitat. Nach dieser Begegnung ist Miki völlig verwirrt. Er fragt sich, ob er tot ist. Und er hat es nur nicht gemerkt. Den ganzen Tag über hat er, wie er es nennt, Flashbacks vom Tod. Er erinnert sich zum Beispiel daran, wie er mit 14 Jahren beim Skifahren kopfüber in einen Schneehaufen gefallen ist. Und er dachte: „So sterbe ich. Die kleinen, sehr unterschiedlichen und besonderen Kapitel regen zum Nachdenken an. Und handeln von verschiedenen skurrilen Alltagsszenen.

Hannah, Leonie, Jasmine

In Barbi Markovićs „Minihorror“ werden aktuelle Problematiken und Missstände in einem als Horror dargestellten Szenarium thematisiert. Unter anderem werden Ängste dargestellt und Kritik ausgeübt. Beispielsweise wird Kritik am Materialismus, Alkoholismus und dem Rassismus ausgeübt. Diese stellt Barbi Marković in kurzen, knappen Kapiteln dar. Pro Kapitel wird ein Thema angesprochen, indem man die beiden Hauptcharaktere Mini und Miki durch ihren Alltag begleitet. Die einfache und leicht verständliche Sprache ermöglicht es dem Leser, sich mit der comichaften Geschichte zu identifizieren. Die Verwendung von Umgangs- und Jugendsprache verdeutlicht dies. Trotz der alltäglichen Situationen erscheinen die Geschichten sehr absurd, was eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und der Geschichte erzeugt.  Die Absurdität wird durch plötzlich auftauchende Monster, sprechende Tiere und sich auflösende Personen dargestellt.

Das Highlight vom Buch sind die kleinen Weisheiten, die Barbi Marković in ihren Kapiteln versteckt, die den Leser zum Nachdenken anregen.

„Gute Absichten sind wichtig, aber es gibt auch noch andere Faktoren im Leben, die das Ergebnis einer Aktion mitbestimmen.“

„Die Frage ist nicht, wieso dich alle erniedrigen wollen, sondern wieso dich alle erniedrigen können.“

Jasmin, Roya

Sonnengott-Gewürze bestehen aus Menschen

Der Text „Sonnengott-Gewürze bestehen aus Menschen“ aus dem Buch „Minihorror“ von Barbi Marković präsentiert eine düstere und zugleich satirische Darstellung eines Firmenausflugs, der nach anfänglicher Harmlosigkeit schnell unheimliche Züge annimmt. Die Geschichte beginnt mit einer scheinbar harmlosen Besichtigung der Gewürzfabrik „Sonnengott“, die von den Mitarbeitern begeistert angenommen wird. Die Stimmung kippt jedoch, als Miki eine dunkle Wahrheit über die Fabrik entdeckt: Menschen werden als Zutaten für die Gewürze genutzt.

Barbi Marković beschreibt die skurrilen Erlebnisse der Mitarbeiter lebendig und authentisch, sodass der Leser zwischen Begeisterung und Grusel schwankt. Die unheimliche Wendung, bei der Miki in eine düstere Halle mit menschlichen Gefangenen geführt wird, sorgt für Spannung und Überraschung. Die Kombination von surrealen Elementen und Gesellschaftskritik verleiht dem Text eine besondere Faszination.

Die Charaktere sind überzeugend dargestellt, und ihre Reaktionen auf die absurden Ereignisse wirken nachvollziehbar. Die Autorin kontrastiert den monotonen und bedrückenden Büroalltag geschickt mit der seltsamen Exkursion, wodurch die Geschichte eine besondere Tiefe erhält. Der Text hinterlässt beim Leser ein Gefühl der Nachdenklichkeit und regt dazu an, sich mit der wahren Natur moderner Unternehmen auseinanderzusetzen.

Alles in allem eine spannende Geschichte, die sich flüssig liest und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Barbi Marković gelingt es, mit ihrer Mischung aus Horror und Satire eine eindringliche Kritik an der Arbeitswelt zu formulieren.

Minis Entscheidung

von Patricia, Sophie, Svenja

Mini starrt an die kahle Wand des Wartezimmers. In Gedanken versunken bemerkt Mini die Gestalt mit den tausend Händen gar nicht, deren Körper hinter den unzähligen Zeitungen verborgen bleibt. Mini wird aufgerufen. Sie folgt dem Arzt über ihre eigenen Füsse stolpern und fliegt auf direktem Weg auf die giftgrüne Behandlungsliege. Mini schaut auf und blickt mitten in die stechend blauen Augen ihres Nachbarn Herrn Müller. Während Mini ihre Beschwerden ausführlich erklärt, ziehen sich die buschigen Augenbrauen von Herr Müller immer mehr zusammen. «Mini, wir ordnen ein grosses Blutbild an.» befiehlt der jetzt besorgte Arzt. 

Mini sitzt wieder im Wartezimmer. Die Gestalt mit tausend Händen sitzt nach wie vor dort. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint der Arzt und erklärt ihr mit monotoner Stimme: «Mini, Sie sind schwanger.» Die Gestalt beginnt mit ihren Fingern erfreut zu zittern. Die aufgelöste Mini wird von Herrn Müller an den Empfang eskortiert. Die Gedanken in Minis Kopf schwirren mit Höchstgeschwindigkeit in ihrem Kopf herum: «Wie konnte das nur passieren?» Am Empfang schiebt ihr die Assistentin mit einem mitleidenden Blick ein Entscheidungsformular über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft über den Tresen. «Ihre Entscheidung über die Schwangerschaft: Kreuzen Sie an, ob Sie eine Abtreibung durchführen wollen: 

  • Ja 
  • Nein 
  • Vielleicht 

Mini starrt entgeistert auf das Formular. Was soll dies alles bedeuten? Herr Müller schaut Mini erwartungsvoll an: «Du hast die Wahl.» Mini setzt den Stift aufs Blatt, um ein Häkchen bei «Ja» zu setzen. Plötzlich bemerkt Mini die Gestalt mit den tausend Händen und den zehntausend Fingern, die nun mit zwei Fingern am Blattrand zupft. «Mini, bist du dir sicher? Willst du nicht noch eine Nacht darüber schlafen?», raunt die Gestalt. Mini meint: «Ja, ich bin mir sicher!» Daraufhin schiessen die Hände der Gestalt nach vorne und entreissen Mini das Formular. Die tausend Hände zerreissen das Formular in unzählige Fetzen und lassen sie wie Konfetti über Mini auf den Boden rieseln.  

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