Im Gespräch über sexualisierte Gewalt

Am 28.Oktober 2023 finden sich die drei Journalistinnen und Autorinnen, Natalia Widla, Miriam Suter und Valentina Mira im Karl der Grosse in Zürich wieder. Im Rahmen des Buch- und Literaturfestivals „Zürich liest“ wurden die drei Autorinnen und Journalistinnen zu einem Gespräch über die sexualisierte Gewalt und das Schreiben darüber eingeladen.

Am Abend vom 28. Oktober stehe ich mitten in Zürich, vor dem Karl der Grosse. Die Frau am Infotisch beschreibt mir den Weg zum Saal, in dem ich die nächsten eineinhalb Stunden gebannt zuhören werde. Viele Stühle sind besetzt, ich reihe mich in die noch freien Plätze ein und kurz darauf sind fast alle Stühle belegt und es kann beginnen.

Vorne auf einer kleinen Bühne herrscht reges Geschehen. Gleich fünf Leute sitzen dort, für eine weitere wichtige Person wurde noch ein zusätzlicher Stuhl neben der Bühne bereitgestellt. In der Mitte sitzt Marina Villa, sie wird uns heute durch den Abend moderieren. Links neben ihr befindet sich die italienische Autorin des Buches „X„, Valentina Mira. Damit sie weiss um was es geht, wenn das Gespräch gerade auf deutsch läuft, sitzt neben ihr noch eine Frau, die ihr das wichtigste flüsternd übersetzt. Rechts von der Autorin sitzen die beiden Autorinnen des Buches „Hast du Nein gesagt? Vom Umgang mit sexualisierter Gewalt„, Miriam Suter und Natalia Widla. Der Stuhl rechts neben der Bühne wurde für Janna Rottmann bereitgestellt. Sie ist dafür zuständig, die Passagen aus Valentinas Buch auf deutsch vorzulesen. Nachdem uns Marina Villa den Ablauf und das Organisatorische mit dem Übersetzen erklärt hat, kann es auch schon losgehen.

Valentina Mira

Die ersten 30 Minuten sind Valentina Mira und ihrem Buch gewidmet. Sie erzählt uns davon, wie es für sie war, dieses Buch zu veröffentlichen. Sehr prägend für mich ist der Moment, in dem Valentina in ihrer Muttersprache eine Stelle aus ihrem Buch vorliest. Anschliessend trägt Janna Rottmann es noch auf deutsch vor. Auf italienisch verstehe ich zwar nichts , dafür sprechen aber die Emotionen. Valentina gibt in dieser Passage sehr viel preis und die grundlegenden Informationen, warum es überhaupt zu diesem Buch gekommen ist, werden bekannt. Bei der Stelle handelt es sich um den Anfang des Buches. Valentina offenbart, dass dieser sich von Anfang an nie geändert hat. In jeder neuen Fassung wollte sie, dass sich dieser Teil nicht verändert und genau so bleibt.

Funfact: Valentina Mira hat gesagt, dass ihr das deutsche Cover eigentlich besser gefällt als das italienische. Sie hätte das X eigentlich schon immer auf dem Cover haben wollen.

Miriam Suter & Natalia Widla

Die nächsten 30 Minuten sind Miriam Suter & Natalia Widla und dem Buch von den beiden gewidmet. Bei dem Buch handelt es sich nicht wie bei Valentinas um einen autobiografischen Roman, sondern um ein Sachbuch. Die drei grössten „Anlaufstellen“ nach einem Vorfall von sexualisierter Gewalt werden darin unter die Lupe genommen. Es handelt sich dabei um die Polizei, Opferberatungsstellen und die Justiz. In den 30 Minuten sind vor allem die Opferberatungsstellen ein wichtiges Thema. Schnell wird klar, dass fast niemand weiss wo sich eine Opferberatungsstelle befindet und das es ein grosses Problem ist, dass viele nicht darüber informiert sind. Was für mich am spannendsten ist, sind die Geschichten, die Miriam und Natalia von ihrer Recherche erzählen. Als Journalistinnen haben sie bereits viel gehört und gesehen, bei der Recherche für das Buch sind sie auf viele spannende Fakten und Zahlen gestossen. Diese lösen beim Zuhören einiges in mir aus. Etwas gibt es noch, dass mich sehr freut. Natalia und Miriam verraten, dass es ein weiters Buch von ihnen geben wird. Es wird wieder ein Sachbuch sein und es wird die Seite des Täters oder der Täterin untersuchen.


Zum Schluss der Veranstaltung gibt es eine Runde mit allen. Alle drei Autorinnen führen eine gemeinsame Diskussion. Dadurch, dass Valentina Mira aus Italien stammt, gibt es einen Einblick, wie dort mit sexualisierter Gewalt umgegangen wird. Es ist fesselnd und auch ein wenig verblüffend zu hören, wie die Situation dort ist und man doch noch ziemlich anders umgeht mit der Thematik. Schön zu hören ist, dass durch Valentinas Buch sich mehr Frauen in Italien angesprochen gefühlt und sich durch das Buch weniger allein gefühlt haben. Oft haben sie gedacht, sie wären alleine mit dem, was sie erlebt haben, aber durch das Buch haben sich viele verstanden gefühlt. Die Autorinnen geben zu erkennen, wie sehr sie das andere Buch schätzen und wie wichtig es ist, über diese Thematik zu schreiben.

Ganz zum Schluss gibt es die Möglichkeit für uns Zuschauer, allfällige Fragen zu stellen. Als dann auch die Fragerunde beendet ist, ist dann auch der ganze Event zu Ende. Ich konnte sehr viel mitnehmen von diesen 1.5 Stunden, es war zwar teilweise sehr anstrengend und mitnehmend so explizit über dieses Thema zu sprechen. Aber alles in allem würde ich so einen Event zu jeder Zeit wieder besuchen und ich würde es auch jedem und jeder weiterempfehlen, sich so eine Veranstaltung anzuhören und sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Es wurde bereits genügend lang darüber geschwiegen, es ist Zeit, dass alle sich damit auseinandersetzen und vermehrt darüber gesprochen wird.

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