Eine lange Warteschlange bildet sich an der Extrafahrten-Haltestelle beim Bellevue. Gemächlich steigen die interessierten Gäste ins Krimitram ein. Silvia Götischi erwartet uns mit ihrem Text «Tod an der Goldküste». Eine attraktive Gelegenheit, einen Einblick ins Buch zu gewinnen.
Langsam füllen sich die Abteile. Pünktlich um 15:00 Uhr setzt sich das Tram in Bewegung. Die Autorin sitzt im vordersten Wagon. Durch Lautsprecher, die eigens für diesen Event installiert wurden, nehmen wir die Stimme laut und deutlich wahr. Wie sie zur Krimi-Idee gekommen sei und wie aus der Idee ein Text geworden ist, erzählt uns Silvia Götschi.
Normalerweise, erzählt sie, sei sie eher eine kreative Schreiberin. Bei diesem Roman jedoch nahm ein Mann mit ihr Kontakt auf. So erfuhr Siliva Götischi von einer Frau, die durch einen Hirnschlag halbseitig gelämt wurde. Da sie eine Erbin von viel Geld und ein «Reisefüdli» war, organisierte sie eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer. Am letzten Tag der Reise jedoch wurde sie von ihrem eigenen Personal ausgeraubt und schwer misshandelt. Trotz dieses Zwischenfalls wiederholte sie erneut eine ähnliche Reise mit anderem Personal. Raub und Misshandlung wiederholen sich. Kurz nach dem zweiten Vorfall wird einer ihrer Bodyguards ermordet aufgefunden. Merlinde Vonlanthen, die verwitwete und vermögende Frau, gerät in Tatverdacht. Um die Wahrheit zu erfahren, wer der alten Frau schaden will, nimmt sich ein Ermittlungsduo dem Fall an.
Zwischen den kurzen Textausschnitten, die Silvia Götschi vorliest, erzählt sie von den Figuren, dem Schreibprozess und dem Wahrheitsgehalt der Geschichte und ergänzt sie mit lustigen Anektoten. Die Stimmung im Tram ist gleichzeitig angespannt und locker. Die Fahrt endet wiederum an der Extrafahrten-Haltestelle. Nach einem kurzen Aplaus verlässt einer nach der anderen, noch ganz in der Geschichte gefangen, das Tram.
Während des ganzen Abends geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf. Es gibt mir zu denken, dass diese Geschichte auf wahren Gegebenheiten basiert, dass Beeinträchtigungen ausgenutzt werden. Da ich selbst durch eine schwere Sehbehinderung beeinträchtigt bin, hat mich diese Lesung erneut daran erinnert, dass Benachteiligungen jeder Art heute noch immer zu oft schamlos ausgenutzt werden.
Till
Über mich: Ich heisse Till und bin 18 Jahre alt. Ich bin seit acht Jahren schwer sehbehindert. Trotz dieser Behinderung lasse ich mich nicht einschränken. In meiner Freizeit treibe ich viel Sport.
Dieser Artikel wurde erstmals im Rahmen des Literaturfestivals Zürich Liest 22 auf dem Festivalblog von Schweizer Buchjahr publiziert.

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