„Die dunkle Seite des Mondes“ ist wohl eines der besten Werke des Schweizer Autoren Martin Suters. Von ernsten Angelegenheiten, über kuriose Bekanntschaften bis hin zu absurden Ereignissen ist alles dabei. Der Roman ist eine Kriminalgeschichte als auch eine Kritik der Gesellschaft zugleich.
Urs Blank, fünfundvierzigjähriger Starwirtschaftsanwalt, hat alles, was man sich gemeinhin wünscht. Erfolg, Geld eine liebevolle Frau und doch scheint er dadurch nicht befriedigt zu sein. Sein Leben verliert seinen Reiz. Zumindest bis er die junge, hübsche Lucille kennenlernt, für die er schnell Gefühle entwickelt. Mehr und mehr lernt er ihre Welt kennen, lässt sich von ihr sogar zu einem Pilztrip überreden. Doch der ausufernde Rausch hat drastische Folgen: Urs Blank verliert alle Kontrolle über seine Emotionen und Aggressionen. Sein Leben gerät aus den Fugen, doch mit Hilfe seines langjährigen Freundes, dem Psychiater Alfred Wenger, beginnt die Suche nach einer Heilung. Bis zum Punkt als Urs seine letzte Hoffnung, seine gefährliche Persönlichkeitsveränderung rückgängig zu machen, in den Wald setzte.

Ein höchst spannender Roman, der seine Leser*innen packt. Auf geschickte Weise verknüpft Martin Suter die seriöse Welt des Protagonisten Urs Blank mit dem dazu antithetischen Leben der Lucille. Zwei unterschiedliche Welten treffen aufeinander. Deren Gegensätze zeigen implizit gesellschaftskritische Aspekte auf: Blank mangelt es an nichts, weder an Geld, Macht noch Liebe, dennoch ist er unzufrieden. Lucille hingegen vergnügt sich an ihrem orientalischen Stand am Flohmarkt, gelegentlich mal an Drogen und ist damit zufrieden gestellt. Suter zeigt, dass Geld allein nicht glücklich macht und verdeutlicht, dass der Mensch, trotz allem Besitz, nie zufrieden sein kann. Die Geschichte zieht Leser*innen nicht nur in seinen Bann, sondern lässt auch über die Gesellschaft reflektieren. Solch implizierte Botschaften Suters machen den Roman aus.
Nicht nur inhaltlich, doch auch sprachlich ist der Roman wirklich angenehm zu lesen. Martin Suter schafft es, viel sachliches Wissen einzubringen, ohne das Geschriebene zu trocken erscheinen zu lassen. Ebendieses Wissen lässt ihn beinahe wirken, als wäre er vom Fach und verleiht dem Roman seine überzeugende Wirkung. Trotz Distanz zu den Figuren und gesamthaft kühler Atmosphäre, verliert der Roman dadurch nicht an Spannung, vielmehr reizt die gewählte Sprache zum Weiterlesen. Suters Schreibstil ist schlicht, gleichwohl fesselnd und dadurch einfach überzeugend.
Insgesamt ein gutes Werk mit ansprechender Sprache, skurriler aber interessanter Handlung und einem unkonventionellen Thema, das auf jeden Fall in Erinnerung bleibt. Ein gelungener Roman und als Lektüre sehr empfehlenswert.
Audrey Scheidegger

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