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Die Wahrheiten meiner Mutter

Eine Lesung mit Vigdis Hjorth und Klaus Müller-Wille im Karl der Grossen in Zürich im Rahmen des Literaturfestivals Zürich liest

Im Raum herrscht eine gebannte Stimmung. Vigdis Hjorth und Klaus Müller-Wille kommen und setzen sich auf die zwei Sessel auf der Bühne. Ich bin die Einzige im Raum, welche das Buch dabei hat. Bin ich auch die Einzige, welche es gelesen hat?

Da Vigdis Hjorth norwegisch spricht, haben wir Klaus Müller-Wille als Dolmetscher und Diskussionsleiter dabei. Zuerst dachte ich, dass es eher mühsam sein würde, die ganze Diskussion zu übersetzen, aber es war erstaunlich angenehm und nach einer Weile probierte man auch, einige Worte zu verstehen.

Klaus Müller-Wille leitet die Diskussion und beginnt mit der Einstiegsfrage, „Welche Reaktionen bekommst du auf die Bücher?“. Vigdis Hjorth meint, dass die meisten Reaktionen, die Frage beinhalten, ob diese Inhalte wahr seien. Sie spricht auch noch über den Titel und wie dieser sich in den verschiedenen Sprachen ändert. Im Englischen lautet der Titel: Is Mother Dead? Ich finde, dass dieser Titel auch sehr passend ist.

Emotionen des Buches

Vigdis Hjorth wird aufgefordert eine Passage aus dem Buch vorzulesen. Sie liest auf Norwegisch und die Emotionen sind sehr deutlich zu sehen. Obwohl ich kein norwegisch kann, meine ich genau zu verstehen, wo im Buch wir uns befinden. Nachdem Klaus Müller-Wille die Passage übersetzt, merke ich, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Das Publikum lacht auch an genau den richtigen Stellen, was zeigt, dass egal welche Sprache man spricht, jeder und jede dieselben Emotionen, während dem Lesen dieses Buches verspürt hat.

Als Vigdis Hjorth auf die gesellschaftlichen Probleme kommt, welche sie mit ihrem Buch anspricht, wird die Stimmung im Raum eher bedrückt. Denn die Themen in diesem Buch handeln von Kriegsverunglückten bis hin zu Depressionen.

Ich fahre hoch, gehe den Weg durch den Wald, ich erreiche die Hütte und schliesse die Tür auf. Erst als ich mich setze, kommt der lähmende Schmerz meiner Kindheit zurück, ich hatte ihn erwartet, aber nicht so. Ich hatte gedacht, dieser Schmerz sei mir vertraut, er sei verblasst und ich könnte damit umgehen, aber er holt mich mit voller Kraft ein. Zum Glück weiss ich aus Erfahrung, dass er, wenn er so weh tut, dass ich glaube, gleich das Bewusstsein zu verlieren, beginnt zu verdampfen. So wie die, die bei einem Unfall einen Arm oder ein Bein verlieren, sagen, sie hätten gar nichts gespürt, weil das Nervensystem nicht so viel Schmerz ins Gehirn weiterleiten kann, geht es mir, wenn ich den Schmerz widerstandslos kommen lasse.
– Vigdis Hjorth, Die Wahrheiten meiner Mutter

Naturlyrische Passagen

Einen weiteren Aspekt, welchen Klaus Müller-Wille aufgreift, sind die naturlyrischen Passagen, welche vor allem für skandinavische Literatur berühmt sind. Gemeinsam mit dem Publikum erarbeiten wir diese und suchen Zusammenhänge der naturlyrischen Passagen und den Erzählungen der Protagonistin.

Ich musste alle Hoffnung fahren lassen, mein Geweih abwerfen, das zu schwer gewesen war, um es zu tragen, ich musste selbst für das sorgen, was ich brauche.
– Vigdis Hjorth, Die Wahrheiten meiner Mutter

Signieren nicht vergessen!

Als die Lesung zu einem Ende kommt, erinnert uns Klaus Müller-Wille noch, dass wir die Bücher unten im Foyer kaufen und signieren können. Ich gehe sofort los und signiere mein Buch. Vidgis Hjorth hat den Text: „Dear Svenja! Good luck with the challenging life! From Vigdis Hjorth“. in mein Buch geschrieben. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

Empfehlungen

Ich habe die Autorin richtig gerne bekommen und werde noch weitere Bücher von ihr lesen. Ich empfehle dieses Buch jedem, dessen Familie nicht in das perfekte Familienbild hineinpasst. „Die Wahrheiten meiner Mutter“ beschreibt die unendliche Liebe einer Tochter zu der Mutter und auch die Gefahren, welche aus dieser Verbindung entstehen können.

Der Anlass hat mir sehr gefallen und ich freue mich schon auf nächstes Jahr bei Zürich liest!

Svenja Aschwanden

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