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Superyachten: Verkörperung von Luxus, Reichtum und Exklusivität

Lonestar is Florida based Norwegian designer Kurt Strand latest Texas-inspired concept superyacht At 171 metres or 562 feet long, with a beam of 23 metres and a draft of 7 metres, if built Project Lonestar would be among the top 5 largest superyachts in the world. Its mammoth design is inspired by the Lone Star state of Texas, but its elegance comes from a woman Strand met there - and the vessel has sleek curves around a steel hull and aluminium superstructure. Theres a helicopter deck at the fore with a lift to the hangar below deck, while at the bow the owners have their own secret love crib with panoramic views. Direct access comes via corridor from the owners private 500 metre squared suite . The interior of the Lonestar yacht is PUBLICATIONxNOTxINxUKxFRA Copyright: xx 51926946

Es ist ein sonniger Tag an der französischen Riviera. Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem malerischen Hafen und bestaunt die beeindruckenden Superyachten, die im glitzernden Blau schaukeln. Wünsche und Sehnsüchte prägen das Denken der Menschen. Superyachten gelten als die ultimative Verkörperung von Luxus, Reichtum und Exklusivität. Sie symbolisieren den Überfluss und die Extravaganz der Superreichen und sind ein Paradebeispiel für den Kapitalismus und den Liberalismus des 21. Jahrhunderts. Kein anderes Objekt verkörpert diese Ideologien so perfekt wie Superyachten. Es ist kein Wunder, dass sie uns faszinieren. Aber hinter ihrer Faszination verbirgt sich ein Schreckgespenst unserer Zeit, dass gerade unter den schrecklichen Ereignissen in der Ukraine aus der Deckung gedrängt wird.

Auswuchs des Kapitalozäns

„Superyachten: Luxus und Stille im Kapitalozän“ ist ein faszinierendes Essay des französischen Soziologen und Politologen Grégory Salle, das sich mit der Welt der Superyachten und ihren Auswirkungen auf unsere Umwelt auseinandersetzt – eine Branche, die so stark boomt wie noch nie. Es ist zweifelsohne eines der Werke, aus dem man deutlich schlauer herauskommt, als man hineingegangen ist, wie es der Schweizer Literaturwissenschaftler und Autor Thomas Strässle in der von uns besuchten Literaturclubfolge vom 31.01.2023 auf den Punkt brachte. Was dieses Essay weiter ausmacht, ist die Tatsache, dass Salle die Problematik rund um die Giganten der Meere nicht als ein isoliertes Phänomen betrachtet, sondern in die Weltordnung setzt, in der wir leben – einer Weltordnung, die vom Kapital geleitet und gelenkt wird. Superyachten sind demnach vielmehr ein Symptom allen Übels als dessen schwimmende Heimstatt: „Man zieht am dünnen Faden der Superyachten, und das ganze Knäuel des fossilen Kapitalismus wickelt sich ab.“

Wie die Superreichen die Schulden der „Entwicklungsländer“ im Meer versenken.

Superyachten sind ein Symbol für den Reichtum und den Luxus der Superreichen. Der Betrieb dieser Schiffe erfordert jedoch auch eine Vielzahl von Arbeitskräften, die oft unter schlechten Arbeitsbedingungen und zu niedrigen Löhnen arbeiten. Zudem muss die Besatzungen ständig verfügbar sein. Arbeitsrechtlich gesehen, schippere man „in einer Zone der Exterritorialität“. Darüber hinaus agrumentiert der Autor, dass Superyachten ein Beispiel für die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Macht sind und dass sie dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu verstärken. Dabei zitiert Salle einen Artikel des amerikanischen Journalisten Rupert Neate, der berechnet hatte, dass die jährlichen Ausgaben für die ungefähr 6000 in Betrieb befindlichen Superyachten die gesamten Schulden der sogenannten „Entwicklungsländer“ tilgen könnten. Doch wie Andreas Puff-Trojan von SWR zeigte, lässt sich mit Rupert Neates These auch eine andere Rechnung aufstellen: Rund 6.000 Superyachten gibt es. Wenn man bedenkt, dass eine Superyacht in etwa zwischen 50 und 650 Millionen Euro kostet und man einen Mittelwert von 100 Millionen annimmt, ergibt dies ein schwimmendes Vermögen von 600 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Im Vergleich dazu betragen Spaniens jährliche Staatseinnahmen etwa 500 Milliarden und in Belgien 250 Milliarden Euro.

Superyachten sind weit mehr als ein ökonomisches Dilemma

Festzuhalten bleib auch, dass der Betrieb dieser Schiffe massive ökologische Schäden, darunter die Verschmutzung von Meeresgebieten und die Zerstörung von empfindlichen Ökosystemen, verursacht. Die Emissionen von Stickoxiden und Schwefeloxiden sind ein weiteres Problem, das mit dem Betrieb von Superyachten verbunden ist. Salle gibt an, dass eine Yacht von etwa 70 Meter Länge im Schnitt 500 Liter Marinedieselöl pro Betriebsstunde verbraucht. So emittiert allein das Kollektiv der 300 grössten Superyachten im Jahr mehr CO₂ als die über zehn Millionen Einwohner Burundis. Doch nicht einmal im Stillstand bleiben Superyachten ohne negative Auswirkungen auf unsere Umwelt. So wird bei illegalem Ankern von Superyachten Neptungras, eine Seegras, das pro Quadratmeter mehr Sauerstoff produziert als ein Quadratmeter des Amazonas, grossflächig zerstört – Salle rechnet bis im Jahre 2050 mit einem vollständigen Aussterben. So lässt sich nur unschwer erkennen, dass Superyachten zweifelsohne ein wesentlicher Teil des Problems sind, wenn es darum geht, den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt zu bekämpfen. Man könnte fast meinen, dass den einflussreichsten und wohlhabensten Menschen unserer Zeit die Erde und deren Erhalt am A. vorbeigehen…

Ein Nischenproblem mit sozialer und ökologischer Sprengkraft

Dem französische Soziologe und Politologe gelingt es mit seiner dezidierten ökosozialistischen Leseart einem augenscheinlichen Nischenproblem im obszönen Reichtum der Superreichen gesellschaftliche Relevanz zuzuordnen. Doch weiss auch Salle, dass selbst wenn man den besagten 1-Prozent ihre „Spielzeuge“ wegnehmen würde, dies nichts „an den kapitalistischen Gesellschaftsverhältnissen, der Alltäglichkeit des Kapitals“ ändern würde. Doch irgendwo muss man ja beginnen…

Grégory Salle: «Superyachten. Luxus und Stille im Kapitalozän». Suhrkamp Verlag. Berlin 2022. 170 Seiten. 26 Franken.

Bildquelle: https://taz.de/Gregory-Salles-Superyachten/!5897261/

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