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Sinnkrisen, Selbstzweifel und Sehnsucht

Dieser Beitrag enthält eine Rezension zum Buch von Nina Kunz, Ich denk ich denk zu viel

Der Inhalt (Klappentext)

Was sollen diese ewigen Gedankenschlaufen? Was haben schlaflose Nächte auf Instagram zu bedeuten? Und wie kann Jean-Paul Sartre bei Panikattacken helfen? Persönlich und präzise schreibt Nina Kunz – Schweizer Kolumnistin des Jahres 2020 – über das Unbehagen der Gegenwart und geht der Frage nach, warum sich ihr Leben, trotz aller Privilegien, oft so beklemmend anfühlt. Ein Buch über Leistungsdruck, Workism, Weltschmerz, Tattoos, glühende Smartphones, schmelzende Polkappen und das Patriarchat.

Buchkritik

Nina Kunz bringt mit ihrem Essay-Band unterschiedliche Empfindungen und Gedankengänge in alltäglichen Situationen sehr gut auf den Punkt. Ihr Buch ist in 3 Kategorien aufgeteilt: Sinnkrisen, Selbstzweifel und Sehnsucht. Sie beschreibt in ihren 30 Kolumnen verschiedene Abschnitte und Aspekte ihres Lebens auf eine humorvolle kluge und wortgewandte Weise. Ihr Buch ließt sich wie Tagebucheinträge, worin man sich als Leser*in häufig wiederfindet. Sie erlaubt den Leser*innen kurze Einblicke in die Gedanken einer jungen Schweizerin und teilt mit der Welt ihre Lebensgefühle. Die einzelnen Kolumnen haben an sich keinen wirklichen Zusammenhang, genau so wenig, wie die meisten Gedankenschlaufen auch keinen haben, jedoch gibt genau diese Qualität dem Buch eine noch vielfältigere und interessantere Eigenschaft. Ihre Texte lassen einen vieles aus einem anderen Blickwinkel betrachten und trotzdem fühlt man sich irgendwie verstanden.

Man merkt, dass Nina Kunz sehr belesen ist, da sie immer wieder auf Zitate aus den verschiedensten Büchern (die auf den letzten Seiten aufgelistet sind) zurückgreift und zu einem gewissen Punkt auch Nietzsche und Camus einfließen lässt. Besonders im Kapitel „Seitentriebe“ ist diese Eigenschaft gut zu sehen. Ich persönlich fand es sehr beeindruckend, wie kurz und bündig Nina Kunz die Kernaussagen und aktuelle Worterklärungen innerhalb eines einzigen Kapitels zusammenfassen konnte.

Die sozialen Medien tragen dazu bei, dass ich mich fast nur noch mit dem Leistungsaspekt in mir identifiziere. Nicht mit dem verträumten Teil, der schräge Bücher von Chris Kraus, oder dem geselligen Teil, der gute Dinnerpartys mit schlechtem Essen mag. Mein Selbstwertgefühl ist konstituiert durch das Internet, und ich fürchte ständig: Was, wenn ich nicht mehr performe?

Nina Kunz – Ich denk, ich denk zu viel

Mit brandaktuellen Themen wie diesem, fängt Nina besonders viele jungen Leser*innen, mich eingeschlossen, in ihren Bann. Denn endlich hält jemand die verstreuten und wirren Gedanken und Themen, die wahrscheinlich jedem von uns schon einmal durch den Kopf gingen, in wunderbare Worte zu packen und messerscharf zu analysieren, so dass man zum Teil seine eigenen Gedanken dann auch besser versteht.

Ihr Buch „ich denk, ich denk zu viel“ hat eine kluge, humorvolle und einfache Sprache. Und das gute an diesem Buch ist auch, dass die Kolumnen und Essays unabhängig voneinander sind und nicht ineinander übergehen. So kann man das Buch auch hin und wieder weg legen und etwas anderes zwischendurch lesen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr fasziniert und überzeugt von diesem Buch bin. Besonders als junge Züricherin, die sich öfter in den von ihr beschrieben Situationen wiederfinden konnte.

Zu guter Letzt noch eine Stelle die mir gut gefallen hatte. So sieht Marcel Proust die Beziehung zu seinen Büchern – als die aufrichtigste Form der Freundschaft.

„Beim Lesen muss man sich schließlich nie verstellen. So las auch Proust nur, wenn er wirklich Lust dazu hatte, lachte nur, wenn er sich ehrlich amüsierte und selbst Moliére stellte er zurück ins Regal, wenn dieser in anödete. Bücher haben eine Art der Verlässlichkeit, die einzigartig ist. Sie sind für einen da, trösten und wollen nichts im Gegenzug. Das Lesen ist intim, direkt und vertraut. Vielleicht ist es sogar die einzig real existierende Form ‘bedingungsloser’ Liebe.“ (S.168)

Nina Kunz – Ich denk, ich denk zu viel

Angaben zum Buch

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