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In einer Welt mit drei Sonnen…

Nevernight – Jay Kristoff

In einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Als Mia Covere noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches ihren Vater als Verräter hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio, einem Antiquitätenhändler großgezogen. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind. Mercurio bringt ihr vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass sich das Buch sehr gut und flüssig lesen lässt. Der düstere, aber humorvolle Schreibstil des Autors gefällt mir. Ausserdem finde ich es bemerkenswert, wie gut seine Fantasiewelt im Buch erklärt und beschrieben wird, auch wenn man sich definitiv nicht alles merken kann. Fremde Begriffe etc. werden meist am unteren Ende des Buches erklärt. Wenn man sich also viel mehr für die Storyline als den Aufbau der Welt interessiert, kann man diese «Randinformationen» jederzeit überspringen.

Die Charaktere und deren Beziehungen sind mehrheitlich interessant beschrieben, es gibt Drama und Konflikte jeder Art. Die Liebesgeschichte des Hauptcharakters interessierte mich persönlich weniger, darin sehe ich trotz aller Einzigartigkeit des Romans viele Klischees einer typischen Fantasy Geschichte für Jugendliche. Zum Glück nimmt diese Beziehung nicht den ganzen Plot ein.

So gut mir das Buch auch gefallen hat, gibt es dennoch einiges, dass kritisiert werden muss. Unter anderem, der Autor selbst. Was ich vorher noch nicht wusste, ist, dass Jay Kristoff von vielen Leuten als problematisch gesehen wird. Und ich bin sehr froh, dass ich mich, wenn auch nur im Nachhinein, informiert habe und nun darüber berichten kann.

Jay Kristoffs hypersexualisierte Wahrnehmung von jungen Frauen, vor allem asiatischen Ursprungs, ist ohne Zweifel fragwürdig. Ausserdem ist er dafür bekannt, kulturelle Aneignung und Anti-Indigene Themen in seine Bücher zu verpacken.

Trotzdem bekam er nicht eine, sondern gleich vier Auszeichnungen für seine Neuerscheinung «The Empire oft he Vampire». Problematisch daran ist nicht das Preisgeld an sich, er spendet auch viel davon. Was viele Leute und auch mich stört, ist, dass er, als weisser Mann, schlecht recherchierte asiatische Kultur für seine Bücher benutzt und damit Unmengen verdient, während viele asiatische Autoren sogar Probleme haben, ein einziges Buch zu veröffentlichen.

Im Generellen bin ich nicht dafür, dass Autoren nur über ihre eigenen Erfahrungen schreiben sollen. Wenn sie dies nicht könnten, wäre der ganze Buchmarkt wohl extrem langweilig. Allerdings finde ich, dass wenn jemand ein Buch über eine Identität oder Kultur schreibt, die anders als die eigene ist, hat die Person die Verantwortung, ihr Bestes zu geben, um diese möglichst akkurat zu repräsentieren und angemessene Recherche zu betreiben!



 

 

 

 

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